Willkommen bei KoALA
23.12.11 (Allgemein)
Als sozialer Beschäftigungsträger in Altona und um Altona herum betreiben wir gemeinnützige Projekte im handwerklichen, gastronomischen und sozialen Dienstleistungsbereich sowie im Garten- und Landschaftsbau.
Unsere Kapazität ermöglicht es rund 400 Arbeit suchende Menschen eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten. Die Maßnahmedauer einer Arbeitsgelegenheit (Ein-Euro-Job) beträgt momentan maximal 12 Monate.
Mit unseren Projekten tragen wir einerseits zu einer besseren Infrastruktur im Stadtteil bei und andererseits hilft diese Tätigkeit unseren MitarbeiterInnen in den Ein-Euro-Jobs, sich zu stabilisieren und fit für den regulären Arbeitsmarkt zu machen. Gerade für Menschen, die schon lange arbeitslos sind, bieten Arbeitsgelegenheiten häufig die einzige Möglichkeit in vorübergehende Beschäftigung zu kommen.
Die schwarzgelbe Bundesregierung hat hier am stärksten gekürzt. Die Stadt Hamburg stellt sich auf den Strandpunkt, dass Berlin zuständig sei und hält sich mit kommunalen Alternativen vollständig zurück. So werden die Arbeitsgelegenheiten auch in Hamburg kontinuierlich abgebaut und die Langzeitarbeitslosen, die beschäftigt werden möchten sind die Dummen.
Das Segment der Langzeitarbeitslosen ist stark verfestigt. Einmal drinnen, kommt man so schnell nicht mehr heraus. Fähigkeiten und berufliches Wissen liegen brach. Die Zeitökonomie bricht zusammen. Zeit ist im Überfluss vorhanden, nur was tun damit?
Arbeitsgelegenheiten sind wahrscheinlich sehr weit vom Ideal entfernt. Solange es keine besseren Alternativen gibt, sind die Kürzungen in diesem Bereich ein Anschlag auf die Interessen derjenigen, die die wenigsten Chancen im System freier Konkurrenz haben.
Das Argument, dass Arbeitsgelegenheiten nicht zum Vermittlungserfolg der Langzeitarbeitslosen beitragen, ja diesen möglichen Erfolg unterminieren ist extrem bösartig. Es wird vorgetragen mit Bezug auf eine Studie des IAB/ISG und verschweigt dabei das wesentlichere Ergebnis: “Am höchsten ist die Zustimmung für Items, die soziale Interaktionen während der Arbeit abbilden. 90 % der Befragten geben an, am Arbeitsplatz sei es einfach, mit Kollegen/innen in Kontakt zu kommen (Addition der Antwortkategorien „Stimme voll zu“ oder „Stimme eher zu“) und 86 % fühlen sich mit Respekt behandelt. Ähnlich wie bei der Bewertung der Sinnhaftikeit der AGH-Teilnahme als Ganzes erleben 72 % die konkret ausgeübte Arbeit als sinnvoll”.
Im Übrigen ist das Problem verfestigter Langzeitarbeitslosigkeit weder mit guten arbeitsmarktpolitischen Instrumenten noch mit deren Nichteinsatz zu bewältigen. Wie die Politik von der Börse entschieden wird, wird über die Schaffung von Arbeitsplätzen und deren Besetzung in den Unternehmen entschieden. In besagter Studie gibt es auf Seite 162 einen interessanten Hinweis: “dass höhere Abgangsraten aus dem SGB II und aus der Arbeitsuche im SGB III zwar jeweils zu einer signifikanten Erhöhung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung führen. Gleichzeitig(..) sich aber auch beobachten (lässt), dass ein Anstieg der Abgangsrate aus dem SGB II den Zugang in beide Rechtskreise systematisch erhöht. Dies deutet auf „Drehtüreffekte“ hin, die auf eine geringe Nachhaltigkeit der Integration bei einem Teil der Beschäftigten hinweisen..” Im Klartext heisst das, dass Langzeitarbeitslosigkeit sich kaum abbaut, weil die Vermittlung in reguläre Beschäftigung i.d.R. nur zeitweilig erfolgreich ist und Nachhaltigkeit nicht herzustellen ist.
Wer in dieser Situation entdeckt, dass die Vermittlung aus Arbeitsgelegenheiten in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung unterproportional im Vergleich zu Langzeitarbeitslosen außerhalb von solchen Maßnahmen ist, der verhöhnt die Öffentlichkeit. Denn in Arbeitsgelegenheiten geht es nicht um möglichst schnelle Vermittlung, sondern um Stabilisierung. Wenn man überdies weiss, dass die zum Vergleich herangezogene Vermittlung gar nicht nachhaltig ist, weil die eigenen Gutachter einen Drehtüreffekt ausgemacht haben, dann will man nicht informieren, sondern desinformieren.

