Langzeitarbeitslosigkeit
04.05.11
http://www.moz.de/nachrichten/deutschland/artikel-ansicht/dg/0/1/294337/
Märkische Oderzeitung 02.05.2011
Förderung Langzeitarbeitsloser geht gravierend zurück
Nürnberg (DPA) Die Förderung und Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen geht wegen des Sparkurses der Bundesregierung gravierend zurück. Zwischen Januar und April erhielten Hart-IV-Empfänger nur noch 980 000 Mal Unterstützung durch sogenannte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Das sind gut ein Fünftel (20,8 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag in Nürnberg einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigte. Ursache ist nach Angaben einer BA-Sprecherin die Budgetkürzung durch die schwarz-gelbe Bundesregierung: „Das ist klar: Wenn sie statt 6,6 Milliarden nur noch 5,3 Milliarden Euro haben, dann können sie weniger fördern.“
Die Statistik im aktuellen Arbeitsmarktbericht für April zeigt besonders bei Beschäftigungszuschüssen ein Minus von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit dem Geld unterstützen die Jobcenter und Optionskommunen Betriebe, die extrem schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose einstellen.
Während solche „beschäftigungsbegleitenden Maßnahmen“ insgesamt um knapp ein Viertel zurückgingen, sank die Zahl der Qualifizierungen um fast 39 Prozent. Damit finanzierten die Arbeitsvermittler den 4,751 Millionen infrage kommenden Betroffenen in den ersten vier Monaten dieses Jahres nur noch 51 200 Fortbildungen oder Trainings.
Laut „SZ“ sieht der Chef des BA-nahen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Joachim Möller, die Entwicklung mit Besorgnis: „Im Bereich der Fördermaßnahmen für Arbeitslose sollte man auch in der derzeitigen Situation den Rotstift nur vorsichtig ansetzen. Wenn man beim immer noch großen Problem der Langzeitarbeitslosigkeit nachhaltige Erfolge erzielen will, wird es ohne entsprechende Investitionen in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nicht gehen.“
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte dem Blatt, es sei klar, „dass bei guter Arbeitsmarktentwicklung und rückläufiger Arbeitslosigkeit auch weniger Geld für Arbeitsmarktpolitik gebraucht wird. Der Rückgang sollte aber möglichst proportional sei.
http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,752342,00.html
Manager Magazin 21.03.2011
Trotz Aufschwung
Deutschland bleibt Land der Langzeitarbeitslosen
Der Wirtschaftsaufschwung bringt den Bundesbürgern neue Jobs, doch eine große Bevölkerungsgruppe profitiert davon kaum: In Deutschland leben im internationalen Vergleich noch immer die meisten Langzeitarbeitslosen aller Industriestaaten.
Genf – Deutschland hat zwar die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise mit am besten überstanden. Es hat aber immer noch die meisten Langzeitarbeitslosen aller Industriestaaten. Darauf hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) am Montag hingewiesen.
Die Herausforderungen für Deutschland seien deshalb unverändert groß, heißt es in der Studie weiter. Nach wie vor suchten mehr als drei Millionen Menschen eine Arbeit. 1,4 Millionen von ihnen, also fast die Hälfte, seien ein Jahr oder länger arbeitslos und mehr als 900.000 sogar mehr als zwei Jahre. Deutschland müsse sich auch auf die wegen der Alterung der Bevölkerung rückläufigen Arbeitnehmerzahlen einstellen, die sich negativ auf die Wachstumsaussichten auswirken könnten.
Um die Beschäftigungsquote von Frauen, die derzeit bei nur 53 Prozent liegt, zu erhöhen, sollten vor allem die Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren verbessert werden. Drittens empfiehlt die ILO Deutschland, den langjährigen Abwärtstrend bei den Investitionen zu stoppen
Die den Vereinten Nationen nahe stehende Organisation, in der Regierungen sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände vertreten sind, lobte allerdings ausdrücklich die deutschen Mechanismen zur Krisenbewältigung.
Zwar schrumpfte die Wirtschaft Deutschlands im Jahr 2009 um 4,7 Prozent und damit mehr als in den meisten anderen Ländern. Doch ging laut ILO die Beschäftigung um lediglich 0,2 Prozent zurück. Im Schnitt verzeichneten die Industrieländer einen fünfmal stärkeren Rückgang als Deutschland.
Die Organisation spricht von einem “intelligenten Politik-Mix aus Konjunkturförderung, dem klugen Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente und der Stärkung der sozialen Sicherungssysteme”. Auch der gut funktionierende soziale Dialog in Deutschland habe dazu beigetragen, dass das Land die Krise weit besser als andere Länder bewältigen konnte, erklärte der Autor der Studie, Steven Tobin. “Selbst Jugendlichen, die in solchen Fällen meist am schlimmsten betroffen sind, erging es vergleichsweise gut.”
kst/dpa
Aus der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Memo):
Langzeitarbeitslose in Deutschland ohne Perspektiven von Axel Troost

